BRÜCKEN BAUEN
Innovation und Lebenskultur

Wie können wir Vorarlberg zu einem digitalen Ökosystem machen, wo wir uns vernetzen und gegenseitig befruchten? WKV-Präsident Hans Peter Metzler über Visionen und kulturpolitische Diskurse.

Vorarlberg soll ein führender regionaler Hotspot mit internationaler Ausstrahlung werden. Die Ziele sind hoch gesteckt, dessen ist sich Hans Peter Metzler bewusst. Man könne Digitalisierung nicht verordnen, aber man könne ermutigen, koordinieren, unterstützen und informieren. Und man sei jetzt endlich ins Tun gekommen.

Wo sehen Sie die Aufgaben der Wirtschaftskammer?

Wir als Wirtschaftskammer sehen unsere Aufgabe darin, Brücken zu bauen zwischen den einzelnen Akteuren und den Boden für ein digitales Ökosystem zu bereiten. Über Infrastrukturen nachzudenken. Einen Magneten, der anziehen und ganz viel Nutzen stiften sollte. Wir haben gerade eine Studie erstellt, zusammen mit Chris Müller von der Tabakfabrik in Linz, mittels der wir die Möglichkeiten für Vorarlberg ausloten. Da ist einiges in der Pipeline. Die Tabakfabrik ist ein Best-Practice-Beispiel, wie ein digitales Ökosystem entstehen könnte, eine Drehscheibe für Kreative, Kulturschaffende, Produzierende, Studenten, Co-Working-Space, Veranstaltungs-Location, Werkstatt und vieles mehr.

„Es muss Konzepte geben, wo wir Start-ups und etablierte Unternehmen zusammenbringen, auch Kreative, Verrückte,  Gescheiterte, alles  sollte da Platz haben.“

Was ist Ihre Vision von der digitalen Zukunft Vorarlbergs?

Unsere Vision ist ein Ökosystem, in dem 10.000 digitale Experten arbeiten, Experten von innen und außen. In Digital Hubs, in Unternehmen, in Behörden und Institutionen. Das ist sehr ambitioniert, ich weiß. Und ab und zu geht es mir zu langsam, das gebe ich ehrlich zu. Man muss auch lernen, dass Prozesse eine gewisse Zeit brauchen, um zu reifen. Aber wir dürfen nicht zu lange warten, sonst verlieren wir die Zukunft, das muss den Menschen klar sein. Man kann das Wort „Digitalisierung“ ja schon nicht mehr hören. Aber das bleibt eben nicht an der Grenze stehen, nach dem Motto, das schöne Vorarlberg braucht das nicht. Wir dürfen nicht bloß zuschauen, wir müssen wirklich mutig sein und größer denken.

„Kompromiss wird heute oft verwechselt mit Schwäche, mit Langeweile. Aber diese Mitte ist eine unglaub-liche Stärke und ein unglaublicher Wert an sich. Das erkannte man schon in der Antike. Mir gefällt es, die Mitte zu finden, die Synthese – und Brücken zu bauen.“

Sie sagten beim Diskurs.Zukunft, dass wir von einem „Silicon Rheintal“ noch weit entfernt seien. Wollen wir überhaupt dort hin, dass alles dem digitalen Fortschritt untergeordnet wird?

Es gibt auch die dunkle Seite und die müssen wir auch thematisieren. Wir sehen, was in Richtung künstlicher Intelligenz passiert, ich denke etwa an die Gesichtserkennung und die Überwachung. Was mich wundert, dass eigentlich noch fast kein gesellschaftspolitischer, kulturpolitischer Diskurs stattfindet, ob wir das überhaupt wollen. Wir kümmern uns sehr viel um die technische Innovation, haben aber noch keinen Diskurs angefangen, was das für uns heißt. Was wir nicht können, eine Insel der Seligen zu spielen, und zu sagen, wir müssen nichts tun und die um uns herum werden schon noch dumm dreinschauen. Wir müssen uns dem Thema stellen. Gerade die Politik ist hier oft nicht gut beraten, auch auf europäischer Ebene, und öffnet sich den Themen zu wenig. Es versteht zwar jeder, dass was läuft, aber welche Antworten wir finden müssen, darüber müsste ein gesellschafts- und kulturpolitischer Diskurs stattfinden.

Wenn Sie in dreißig Jahren zurückblicken …

… dann möchte ich sagen können, dass wir den Kulturwandel geschafft haben. Natürlich habe ich die Vision, dass wir einen schönen, anspruchsvollen Lebensraum haben, wo wir die Digitalisierung dort einsetzen, wo sie Sinn macht. Dass wir gut miteinander auskommen und die analoge, menschliche Begegnung nicht vergessen. Je digitaler die Welt wird, desto mehr haben die Menschen das Bedürfnis nach Begegnung und Erholung. Wo Menschlichkeit und Empathie gefordert sind, das kann kein Roboter und keine künstliche Intelligenz schaffen. Dass wir offen sind, dem anderen etwas gönnen. Dass wir uns als Ganzes verstehen. Die Leute aber trotzdem noch den Charakter behalten, Wälder oder Montafoner sind, Unter- und Oberländer. Dass die Wirtschaft sich gut entwickelt und wir diese positiven Effekte auch monetär einsetzen für ein gutes Leben und nicht für Renditen von Konzernen. Aber wie gesagt: Digitale Innovation braucht auch kulturelle und gesellschaftliche Antworten. Das bedingt sich, das gehört zusammen. Sus tuats net reacht.

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